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In Kooperation mit L.A.Raeven
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| First day |
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Wie
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sich die Tatsache verstehen, dass wir uns als physische, körperliche
und zugleich als intelligible, denkende Wesen begreifen? Gibt es einen
internen Zusammenhang zwischen unseren begrifflichen, intelligiblen Leistungen
und unseren physischen Wirkungsweisen? Baruch
de Spinoza argumentiert in seiner Ethik (1), dass beides zusammengehört:
die Kette des Geistes und die Kette des Physischen: »So ist auch die
Daseinsform (Modus) der Ausdehnung und die Idee dieser Daseinsform (Modus)
ein und dasselbe Ding, aber auf zweierlei Arten ausgedrückt« (2).Und
weiter »Denn
dort {siebter Lehrsatz des zweiten Teils} haben wir gezeigt, daß [...]
der Geist und der Körper, eins und
dasselbe Individuum ist, welches bald unter dem Attribut des Denkens,
bald unter
dem der Ausdehnung begriffen wird«. (3) Das heißt sie stehen
sich nicht gegenüber – sondern gehen (in beiden Richtungen <—>)
durch mich hindurch. Der Geist perfektioniert die im Körper immanente
Handlungsmacht: »Der menschliche Geist ist befähigt, vieles
zu erfassen, und umso befähigter, auf je mehrere Weisen sein Körper
disponiert werden kann« (4).Für
Spinoza gibt es keinen freien Willen, stattdessen nur den Gebrauch der
Vernunft: »Der Wille kann nicht freie, sondern nur notwendige Ursache
genannt werden. Beweis: Der Wille ist nur eine gewisse Form (Modus) des
Denkens, ebenso wie der Verstand. Daher kann jedes einzelne Wollen nur
dann existieren und nur dann zum Wirken bestimmt werden, wenn es von
einer Ursache bestimmt wird und diese wiederum von einer andern und so
fort ins Unendliche« (5). Das hat
zur Folge, dass auch seine Ethik nicht etwas von außen Gesteuertes
ist wie Gesetze oder Regeln, sondern aus dem »Inneren«, aus
der Vernunft und dem Wunsch, ein besserer Mensch zu werden entsteht,
was zwangsläufig eine Anstrengung oder zumindest eine Konzentration
mit einschließt.Diese Betrachtungen
sehe ich in Verbindung mit Michel Foucaults Der Gebrauch der Lüste
(6), in der er die Praxis der Diätetik der antiken Griechen beschreibt.
Die Diät (7) ist »die Kunst des Verhältnisses des Individuums
zu seinem Körper« (8). Er fügt
hinzu das, dieses Verhältnis aber »nicht nur im Bereich des
Körperlichen, sondern auch im Moralischen gilt« (9), als ein
Prinzip der mäßigenden Existenz, die sich beständig selbst
befragt was das »richtige«, das »wahre« Maß sei.
Diätetik ist die Stilisierung einer Haltung, die von den Individuen
und der Gesellschaft praktiziert wird, um die Körper zu formen und
ihre Verhältnisse zu regulieren. Foucault
entwirft ausgehend von der Diätetik das Konzept der »Ästhetik
der Existenz«, in dem er eine Verbindung zwischen Ethik und Ästhetik
herstellt. Die Ethik
wird zur einer Praxis des Selbst und nährt sich »als Kunst
des Verhaltens« (10) aus der Ästhetik. Umgekehrt stellt sich Ästhetik
aus ethischer Praxis her: »Die Diät des Körpers muß,
um verständig zu sein, [...] auch eine Angelegenheit des Denkens,
der Reflexion, der Klugheit sein. [...] die Diät wendet sich an
die Seele und schärft ihr Prinzipien ein« (11). Spinozas Gedanken
zur Ethik und Foucaults Konzept der »Ästhetik der Existenz«,
betrachte ich als Versuche, als Experimente, einen besseren Körper
und besseren Geist zu erlangen.Innerhalb
dessen die Diätetik Teil eines Ensembles von Subjektivierungsprozessen
darstellt, sie ist Teil dessen »wie man sich als ein Subjekt konstituiert« (12).
Das bedeutet, dass wir, durch bereits vorhanden gesellschaftliche Regeln,
mit einer Macht ausgestattet sind, die es uns ermöglichen diese
Regeln in unserem Sinne umzugestalten. Der Diätetik ist die Macht
zur Handlung inhärent, sie besitzt somit eine politische Dimension: »[...]
die Ethik (kann) der Existenz eine sehr starke Struktur geben, ohne sich
auf ein Rechtswesen,
ein Autoritätssystem oder eine Disziplinarstruktur beziehen zu müssen« (13)
Diätetik wird im besonderen Maße politisch, wenn auch die
Institutionen sich verpflichten, die Sorge um das Leben zu übernehmen
(14). In einem info-Brief
aus dem Gefängnis, während eines Hungerstreiks, schreibt Holger Meins
zu der methode mensch: »wir haben zwei sehr starke waffen: unseren grips
und unser leben. unser bewusstsein und unser sein«. (15) Ausgehend
von diesen ästhetischen, ethischen und politischen Fragen zur
Diätetik und die damit verbundenen Möglichkeit neue Formen von zwischenmenschlichen
Verbindungen zu schaffen, bildeten diese den Anlass zu einem Projekt. Dabei sollte
das, was normalerweise privat ist (was und wie viel man isst), an jemand Unbekanntem übergeben
werden. Da ich
wusste, dass sich die Künstlerinnen L.A. Raeven einer Diät
folgen und sich in einer besonderen Weise ernähren, bat ich sie
um eine
Kooperation. Sie erklärten sich einverstanden und gaben mir Anweisungen, was, wieviel und in welcher Art ich zu essen und zu trinken habe. Motiviert von den oben beschrieben Gedanken, regte ich einen Dialog an, über Biopolitik, das nackte Leben und ästhetischen Terrorismus.
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1. Baruch de Spinoza: Ethik. Stuttgart 1977 | ||
| 2. ebd. Siebter Lehrsatz zweiter Teil, S. 125 | ||||||
| Second day |
3. ebd. Einundzwanzigster Lehrsatz des zweiten Teils, S. 175 4. ebd. Vierzehnter Lehrsatz des zweiten Teils, S. 159 |
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| Third day | ![]() |
5. ebd. Zweiunddreissigster Lehrsatz des ersten Teils S. 77–78 6. Michel Foucault: Sexualität und Wahrheit, Bd. II: Der Gebrauch der Lüste. Frankfurt am Main 1989 |
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| Fourth day |
8. ebd., S. 123 |
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| Fifth day | ![]() |
9. ebd., S. 133
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| Sixth day | . |
10. ebd.,
S. 123 11. ebd., S. 138 – 13 |
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| Seventh day | ![]() |
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| Eighth day | 14. Möglicherweise
waren aus diesem Grunde die Hungerstreiks der politischen Gefangenen
in den 1970er in der BRD so erfolgreich. 15. das info. Briefe der Gefangenen aus der RAF 1973 – 1977. Kiel 1987. S. 67 |
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| Nineth day | ![]() |
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| Tenth day | ||||||
| Eleventh day | ![]() |
How to learn to like the same
How are
we to understand the fact that we conceive of ourselves as physical,
corporeal beings and at the
same time
as
intelligible,
thinking ones?
Is there an internal correlation between our conceptual and intelligible
abilities and the ways we function physically? |
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| Twelves day | 1.
Baruch de Spinoza: Ethics, Translated by R. H. M. Elwes. Etext. Gutenberg.
www.gutenberg.org
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3. Ibid.,
Proposition XIII [XXI?], Part Two. |
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| Thirdteens day | ![]() |
6. Michel
Foucault: The History of Sexuality, Volume 2: The Use of Pleasure, New
York 1990, Translation by Robert Hurley |
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| Fourteens day | 7. In
French diet also means “regime”, form of nutrition, way of life.
An old adage says: “À ce régime, il ne tiendra pas
longtemps.” (Petit Robert) Many thanks to Andreas Hiepko for
pointing this out. |
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8. Ibid.,
p. 93 9. Ibid., p. 102 10. Ibid., p. 123 11. Ibid., p. 107 |
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| 12. Ibid.,
p. 108 13. H. Dreyfus / P. Rabinow: Michel Foucault, The University of Chicago Press, Chicago: 1987, p. 235 |
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14. This might also be the reason why the hunger strikes of political prisoners in West Germany in the 1970s were so successful. | |||||
15. das info. Briefe der Gefangenen aus der RAF 1973 – 1977 (The Letters of RAF Prisoners 1973 – 1977). Kiel 987. p. 67 |
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